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    17 days ago

    Was ist die richtige Mischung von Privatheit und Zusammenleben?

    Dafür werden architektonische Lösungen gesucht, die die richtige Mischung aus Privatheit und Zusammenleben möglich machen -

    Unausgesprochen bleibt, dass das Einfamilienhaus dazu beiträgt, dass sich die Massen nicht politisch organisieren. Die Mittelschicht ist individualisiert und isoliert von der Unterschicht.

    Im frisch gemähten Gras sitzt die adrett frisierte Mutter mit ihrem sehr blonden Kind. Und im Hintergrund schaut der Vater, der gerade von der Arbeit gekommen ist, vom Wohnzimmer aus auf sein perfektes Familienglück.

    Die Verbindung zum Faschismus wird nur angedeutet.

    Es sind solche Bilder, mit denen Zeitschriften wie “Schöner Wohnen” in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit den Traum vom Einfamilienhaus prägten. "Eigentlich ist das eine Anleitung zum richtigen Wohnen

    Die politische Funktion der Einfamilienhäuser wird erahnbar, aber nicht diskutiert. Die Isolierung wird weiterhin nicht in Frage gestellt. Verdichtung überwindet nicht die Isolation:

    Wie schaffen wir es, jeder Wohneinheit einen Außensitz zu ermöglichen, ohne dass die Privatsphäre, die im Einfamilienhaus so wichtig ist, verloren geht?", beschreibt Kronauer eine typische Gestaltungsaufgabe beim Umbau von Einfamilienhäusern.

    Die Einfamilienhaussiedlung ist die Antwort der Elite auf die Pariser Commune.

    • JensSpahnpasta@feddit.org
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      17 days ago

      Dazu hätte ich ehrlich gesagt gerne ein paar Quellen. Dass die Einfamilienhaussiedlung die Antwort der Elite auf die Pariser Commune ist, ist nämlich eine doch etwas wilde These.

      Ich glaube eher, dass das EFH menschliche Grundbedürfnisse widerspiegelt. Ein Ort, an dem man als Familie tun und lassen kann, was man will. Ein kleiner Garten, den man sich so einrichten kann, wie man möchte, ohne dass irgendwelche merkwürdigen Nachbarn da direkt selbst drin rumsitzen, einem auf die Nerv gehen oder ein Mitspracherecht bei der Gestaltung wollen. Privatsphäre im Sinne von “man bekommt nicht direkt mit, was die Nachbarn machen” und die ebenfalls nicht. Man kann also zum Beispiel einfach seine Musik hören, ohne dass irgendwer an die Tür klopft. Und man ist einfach freier in dem, was man tut. Will man eine Wärmepumpe einbauen oder die Fassade renovieren, dann kann man das machen, ohne diese extreme Hässlichkeit, dass man eine Wohnungseigentümerversammlung davon überzeugen muss.

      • plyth@feddit.org
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        17 days ago

        Ich meine, dass ich die Idee von einer Analyse amerikanischer Suburbs habe, die von der Standardantwort abwich, dass die Flächenausbreitung eine Strategie gegen Atombomben ist. Ohne öffentlichen Raum ist es schwer, dort eine Gemeinschaft zu formen. Ausserdem kann dort gar nicht lange rebelliert werden, weil es dort weder Nahrungsmittelvorräte gibt noch Produkivkapital, mit dessen Kontrolle man etwas fordern könnte. Die Quelle hab ich leider nicht mehr.

        Ich denke die aufgelisteten Vorteile des Eigenheims zeigen bereits, worum es geht. Entscheidungsfindung in der Gruppe wird als Bürde empfunden und die Vorlieben der anderen als störend bzw die Notwendigkeit der Rücksichtsnahme wegen anderer Vorlieben ist anstrengend. Das dürften genau die Werte sein, für die sich Konservative einsetzen: frei zu sein von den Entscheidungen anderer. Die Lösung: privater Besitz und Isolation.

        Damit entwickelt die Gesellschaft nicht die Strukturen, mit denen sie sich basisdemokratisch organisieren könnte.